Von Wölfen und Mustangs

Bereits den ganzen Tag über freute ich mich auf den Spaziergang mit Harley am Abend. Nach dem tollen Erlebnis vor einer Woche bin ich nicht mehr geritten. Die neuen Hufschuhe zum Testen waren mittlerweile eingetroffen und ich nahm mir vor diese heute auszuprobieren. Kurzentschlossen zäumte ich auf und "sattelte" Harley mit dem Reitpad. Wenn es gut lief, konnte ich es ja vielleicht wagen und mich die letzten paar Meter noch drauf setzen.
Kurz vor dem Wald blieb Harley plötzlich ruckartig stehen. Ganz entgegen seiner Art machte er plötzlich einen unglaublich aufgeregten Eindruck. Er blähte die Nüstern und versucht mich vom Wald weg zurück nach Hause zu drängen. Was war denn nur los?! Nervös stampft er vorne auf und sein Blick schweift zum Waldrand. Als ich meinen Kopf mit der Stirnlampe in die selbe Richtung drehe, sehe ich etwas Grosses und Graues in den Wald verschwinden. Ein Wolf! Bereits seit ein paar Monaten war immer wieder ein einzelner Rüde in der Gegend gesehen worden. Ich habe mir aber nie gross Gedanken darüber gemacht, da ich weiss, dass ein einzelner nie einen Menschen angreifen würde. Harley sieht das anders, er will hinterher und ist kaum zu bremsen. Immer wieder drängt er mich vom Wald weg und droht in die Richtung des Wolfs. Mit meiner Lampe leuchte ich den Waldrand ab und kann sehen, dass er nicht weit im Wald stehen geblieben ist und uns beobachtet.  Beruhigend rede ich auf Harley ein und kraule ihn an seiner Lieblingsstelle am Hals. Schließlich kann ich ihn dazu bewegen den Weg vom Wald weg zu nehmen. Immer wieder bleibt er stehen und blickt sich um und ich fühle mich beobachtet.
Als wir die ersten Häuser passieren, hat sich Harley auch endlich wieder beruhigt. So beschließe ich nach circa 1h auf dem Rückweg bei einem Baumstamm aufzusteigen. Er bleibt brav stehen und setzt sich auch langsam in Bewegung. Plötzlich macht er aber einen Satz nach vorne und setzt sich in Trab. Ich versuche mich nicht zu verkrampfen und rede ihm ruhig zu und gebe ihm die Zügel hin. Er wird langsamer nur um im nächsten Augenblick im Galopp loszubrechen. Erneut versuche ich ihn mit meiner Stimmer zu beruhigen. Gleichzeitig überlege ich mir abzusteigen. Aber der Boden ist hart und er wird immer schneller. Zum Glück hat er eine solch lange Mähne, so kann ich mich wenigstens oben halten. Ich war noch nie ohne Sattel auf ihm galoppiert und schon gar nicht in dem Tempo. Ich sehe uns schon irgendwo im Graben liegen als er langsamer wird. Vor seinem Paddock bleibt er schliesslich stehen und ich gleite sofort von seinem Rücken. Ängstlich blickt Harley in Richtung Wald und ich frage mich ob der Wolf nicht ganz unbeteiligt an unserem schnellen Ritt war. Sofort kommt Harley zu mir und stupst mich an und ich kraule seine Stirn.Seitdem fühle ich mich immer etwas beobachtet im Wald und es gibt zum Teil Stellen an denen wird Harley regelmässig nervös. Vielleicht riecht er den Wolf? Klar ist, dass er aus seiner Heimat diese Tiere kennt und sich auch schon öfters dagegen wehren musste. Ich nehme mir vor am nächsten Tag das Jagdtinspektoriat zu kontaktieren und einmal nachzufragen, ob sich sagen lässt wo sich besagter Wolfsrüde zur Zeit herumschleicht...