Berittenes Bogenschießen oder Beziehungsarbeit

Berittenes Bogenschießen oder Beziehungsarbeit

Lange ist es her, seit ich hier etwas von uns hören lies. Und ja ich habe mich auch schon öfters gefragt, ob ich die Seite nicht besser schließen würde. Vor allem da sich meine drei SocialMedia Plattformen immer mehr zu meinem Tagebuch entwickeln. Aber irgendwie hänge ich immer noch etwas an dieser Website. Vor allem auch, weil ich sie immer wieder gerne etwas umgestalte und so schon sehr viel Zeit investiert habe. Aber mal schauen was die Zeit so bringt.

Das Osterwochenende war sehr intensiv für Harley und mich. Und er hat es mich gestern extrem spüren lassen, was er davon hielt.  

Meine Stallfreundin hat er freudig begrüßt, wobei er bei mir auf dem Absatz kehrt machte und im gestreckten Galopp in die hinterste Ecke der Weide verschwand. Mehr als nur etwas perplex stand ich mit dem Halfter in der Hand auf der Weide und blickte ihm nach. Als er das selbe ein zweites und drittes Mal machte, war ich den Tränen nahe.  
Noch nie war er vor mir auf der Weide geflüchtet. Im Gegenteil. Die letzten paar Mal kam er immer freudig zu mir und es kam auch schon vor, dass er mir im Trab oder gar Galopp entgegenkam und nun das.
Schlussendlich konnte ihn meine Stallfreundin einfangen und ich konnte ihn auf halftern. Ich war erschüttert.

Dachte ich doch, dass wir eine gute und stabile Beziehung hätten. Aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er mir das vergangene Wochenende übel nahm. Es passte auch dazu, dass er plötzlich am zweiten Kurstag nicht mehr mit mir in den Hänger wollte, sondern meine Trainerin verladen musste. Auch das war nie ein Thema bei uns. Ich war hingegen immer sehr stolz wie flüssig Harley hinter mir in den Hänger stieg. Und dieses Mal gab ich nach 30min auf, weil ich einfach spürte, dass ich ansonsten zu viel Druck machen würde.

Etwas ratlos nahm ich Harley mit zum Putzplatz und begann mit einer Shiatsu-Behandlung. In der Hoffnung uns beide wieder etwas ins Lot zu bringen.
Ja, das Wochenende war für uns beide anstrengend gewesen, aber das er mir dies gleich so quittieren würde, damit hatte ich nicht gerechnet:

Am Karfreitag waren wir an unserem dritten Training fürs Berittene Bogenschießen. Dieses Wochenende hatte meine Trainerin einen Trainer aus Deutschland engagiert, damit wir alle auch einmal einen anderen Input erhalten.
Das Bodentraining am Freitagmorgen war intensiv und recht anstrengend. Meine bisherige Technik wurde komplett auf den Kopf gestellt. Dementsprechend war ich dann am Abend auch echt müde;-).

Am Nachmittag ging es dann darum das Ganze auf dem Pferd anzuwenden. Da Harley noch tendenziell unsicher ist, durfte ich Ponyreiten. Das heißt, der Trainer nahm Harley an den Strick und ich konnte mich auf alles andere konzentrieren. Harley war zu Beginn etwas irritiert, da die Ausstrahlung des Trainers doch eine ganz andere ist als die meine. Auch arbeitete er etwas mehr mit Druck als Harley es gewohnt ist. Er hat sich aber bald super am neuen Trainer orientiert und ich konnte mich aufs Schießen und meine Technik konzentrieren.

Samstag hatten wir dann beide einen Ruhetag.

Am Sonntag war der zweite Trainingstag angesagt. Bereits am Putzplatz fiel mir auf, dass Harley ungewohnt unruhig war. Ich schob das Ganze auf die generelle Spiellaune in der Herde.  

Das Einsteigen in den Hänger war etwas zögerlich, aber er kam mit.  
An diesem Sonntag hatten wir ein noch intensiveres Bodentraining am Vormittag da wir lediglich 3 Personen waren. Ich konnte dabei aber sehr viel mitnehmen und war erstaunt wie weit plötzlich meine Pfeile folgen (so ca. 30 Meter und das ist schon ordentlich für einen Anfänger:-)).

Am Nachmittag arbeitete dann vor allem meine Trainerin mit Harley da sie ihre eigene Stute an eine Freundin auslieh fürs Training.

Harley hatte es auch hier wieder extrem gut gemacht. So dass meine Trainerin am Schluss aus dem Schritt mit ihm sogar pro Runde 3 Pfeile schießen konnte, ohne dass er sich erschrak. Ganz zu Schluss setzte ich mich auch noch kurz drauf und ging die Bahn 1-2 Mal im Trab ohne Pfeil und Bogen, einfach um ihn daran zu gewöhnen.

Als wir dann endlich alles aufgeräumt und eingepackt hatten, ging es ans Einsteigen in den Hänger. Und das erste Mal seit ich ihn kannte, wollte Harley partout nicht in den Hänger steigen. Immer wieder versuchte ich es ruhig mit ihm und ohne großen Druck, aber ohne Erfolg. Er stand auf die Rampe und sobald sein Kopf im Hänger war, legte er den Rückwärtsgang ein. Nach 30min war ich ratlos und innerlich dermaßen angespannt, dass ich ihn meiner Trainerin in die Hand drücke und sie darum bat es zu versuchen. Und siehe da: bereits beim zweiten Versuch stieg er mit ihr in den Hänger. Das gab mir schon etwas zu denken.  

Montags war die Freundin meiner Trainerin noch da und ich schlug vor, dass sie doch noch einen gemütlichen Ausritt unternehmen sollen und stellte Harley meiner Trainerin zur Verfügung. Er sei mega anständig gewesen und habe den gemütlichen Ausritt sichtlich genossen. Ich nutzte derweil den Tag um einmal ein paar Stunden am Stück in Ruhe zu lernen für meine Zwischenprüfung als Tier-Shiatsu-Therapeutin im Juni.

Umso mehr freute ich mich dann am Dienstag etwas mit Harley zu unternehmen. Viel wollte ich nicht machen nach dem anstrengenden Wochenende. Vielleicht etwas auf dem Platz arbeiten und dann eine Shiatsu-Behandlung als Abschluss und dann diesen Dämpfer...

Mir kam es vor wie wenn er mir sagen wollte: DU hast mich die letzten drei Tage "abgeschoben" und ich musste mit anderen arbeiten und jetzt habe ICH keine Lust mit DIR etwas zu machen.

Ich habe mir vorgenommen die nächsten Tage einfach mit ihm Zeit zu verbringen. Sei dies auf der Weide und falls er es zulässt auf gemütlichen Spaziergängen durch den Wald. Seine Lieblingsrouten abgehen und ihm viel Zeit lassen.

Ich hoffe sehr, dass sich das Ganze wieder einrenkt und wir bald wieder ein eingespieltes Team sind.

So wie in jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen...